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Bali

2019 startete ich mein Sabbatical mit meiner ersten Solo- Fernreise auf Bali für einen Monat. Nach der Ankunft in Sanur akklimatisierte ich mich bei meiner ersten Fußmassage und beim Schlürfen einer Kokosnuss am Strand.

Erschlagen vom langen Flug und einer schlaflosen Nacht- ein Gecko hielt sich vor meinem fensterlosen Zimmer auf- schlenderte ich durch die Straßen. Dabei versuchte ich nicht über die zahllosen Opfergaben, die auf dem Gehweg lagen, zu stolpern. Allerhand wurde geopfert, Reis auf Bananenblätter, Süßes (leider in Plastik verpackt), Zigaretten, Räucher-stäbchen, gebettet auf in selbst geflochtenen Nestern. Daher gewöhnte ich mich mit der Zeit an die Kolonien an Ameisen, die überall (auch in meinem Bett oder meiner Toilette) unterwegs waren. Mülleimer standen erstaunlicherweise durchweg vor der Unterkunft.

Das Frühstück auf Bali sah meist gleich aus. Entweder gab es Bananenpfannkuchen mit Honig, Toast mit Rührei oder einen Obstteller mit Melone, Banane und Papaya. Der Kaffee war mir oft zu stark, so dass ich auf Tee oder Kokosnuss umstieg.

Es ist mein Brauch mindestens einmal zum Sonnenaufgang aufzustehen und diese Stimmung aufzusaugen. An diesem Morgen waren schon ein paar ambitionierte Jogger unterwegs, einheimische ältere Leute spazieren und der ein oder andre Hund.

Dieser hier war besonders zutraulich und anhänglich. Er legte sich nah neben mich, schloss die Augen, so als ob er seine Morgenmeditation bei einem lauen Lüftchen genießen würde. Mich berührte dieser Moment sehr, denn er zeigte, dass wir beide im Grunde das gleiche brauchten, nämlich Schutz, Sicherheit und Liebe.

In Ubud durfte ich einen tieferen Einblick in die Kultur und die Religion der Balinesen haben. Mit meinem Guesthouse- Besitzer philosophierte ich stundenlang über den Lebenssinn, wodurch man Glück und Freude erreichte und worin sich sein und mein Leben unterschieden. Er brachte mich zu einer Wasserzeremonie an Wasserfällen, die sonntags nur von Einheimischen besucht wurden, und ich durchlief die verschiedenen Stationen. Dort sollte ich eine bestimmte Anzahl, 7 oder 11, an Schlucken des herabfallenden Wassers trinken. Dies sollte zur körperlichen und geistigen Reinigung dienen. An den letzten beiden Stationen durfte ich alle negativen Gefühle und Gedanken durch lautes Schreien loslassen und beim letzten Wasserfall Dankbarkeit und innere Ruhe erspüren. Nach diesem sehr emotionalen Ritual genoss ich den inneren Frieden und die körperliche Müdigkeit bei einer Tasse Tee.

Am nächsten Tag  besorgte ich mir ein traditionelles Outfit, um bei einem Gebet am hauseigenen Tempel teilzunehmen. Die Frau von meinem Guestfather arbeitete als Heilerin und verbrachte den Tag kränklich im Bett. Regelmäßig „übertrugen“ sich die Krankheiten der Leute, die sie heilte, auf sie und sie musste sich ausruhen. Kinder durfte sie auch keine bekommen. Ihre Kleidung trug sie stets in schwarz. Welch Preis für ihre Gabe.

Natürlich ist Ubud wegen seinem Affenwald bekannt. Doch oft werden Touristen gebissen, ihrer Wertgegenstände entledigt oder bekommen auch mal eine Autowäsche gratis. Dennoch ist Abstand und Vorsicht geboten, denn auch sie sind letztendlich wilde Tiere, die Krankheiten übertragen können. Aus der Ferne sind ganz niedlich.

Einen Aufstieg zum Mount Batur bewältigte ich mit gefühlt 100 weiteren Touristen in dieser Nacht. Abfahrt war um 2 Uhr morgens, kurzes Frühstück und dann hieß es über Geröllfeld und Felsen möglichst zügig aufsteigen. Jeder war dabei, egal ob jung, alt, unsportlich, bewegungseingeschränkt, mit Schlappen oder unnützer Ausrüstung. Manche stürzten sogar, stoppten plötzlich für ein Foto oder machten mitten auf dem Weg Pause. So muss es am Mount Everest sein, nur entsprechend lebensbedrohlicher. Mittlerweile würde ich von dieser Tour abraten, da der Tourismus auf Bali zum Problem wird und man unter hunderten von Menschen das eigentliche Highlight nicht mehr genießen kann, nämlich den Sonnenaufgang.

Amed ist bekannt für seinen schwarzen Vulkanstrand und seine Schnorchelspots. Auf dem Weg dorthin passierte ich grüne Reisterrassen, farbenfrohe Blumen und freundliche Einheimische, die zusammen auf der Ladefläche ihres Autos eine Mittagspause einlegten.

Zugegeben habe ich meistens ein mulmiges Gefühl zu schnorcheln und schreie die Fische durch den Schnorchel an, aber an diesem Tag  erlebte ich einen friedlichen Moment, als eine Schildkröte direkt vor mir emporstieg und vor mir her dümpelte. Neben großen Seesternen und Nemos Freunden entdeckte ich eine Neugier in mir, diese Unterwasserwelt intensiver erleben zu wollen. Da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht tauchen darf, schrieb ich insgeheim auf meine Bucketliste, dass ich mich eines Tages dieser „Angst“ stellen wollte.

Auf Grund der nicht vorhanden paradiesischen Strände und meiner Überforderung durch die vielen Eindrücke, flüchtete ich auf die Nebeninsel Nusa Lembongan. Wow, endlich weiße Sandstrände, türkise Farben und vermeintliche Ruhe (auch hier wurde morgens um 6.30 Uhr bereits der Hauseingang gefegt). Ich genoss lange Spaziergänge, Baden und das leckere, gesunde Essen.

Das Leben der Einheimischen fand hier am Strand statt. Kinder, die sich im fischen mit Glasflaschen versuchten, Jungs, die Werfen und Fangen spielten oder mir den Hintern herausstreckten. Dazwischen ein paar Hunde und drachensteigende Familien. Ihre Behausungen bestanden in der Regel meist nur aus Ziegeln, Bambus und Wellblechen. Ein Vater snackte eines Abends, hinter mir im Sand sitzend, mit seinen jungen Söhnen zum Sonnenuntergang Chips, bevor sie zu dritt in einer dieser Behausung verschwanden. Herzzerreißend. Und trotzdem schien mir diese kleine Familie viel glücklicher zu sein als unsereins.

Eine kleine Schule durfte ich auch besuchen. Ich dachte mir, gut, dass es Stühle, Tische, Arbeitshefte und ein paar aufgehängte Malereien der Kinder zu sehen gab. Sonst hätte ich spekuliert, ob dieses Gebäude abgerissen würde, da alles schon sehr marode und alt aussah.

Nicht nur Menschen werden auf Bali hingebungsvoll und mit Liebe bestattet, auch Tiere. Vor dieser kleinen toten Katze stand ich eine Weile und spürte Mitgefühl und Trauer zugleich. Dasselbe Gefühl empfand ich beim Beobachten einer Beerdigung. Auf die Graber der Verstorbenen wurde ein Regenschirm befestigt, damit sie vor Regen geschützt wären, erklärte mir ein einheimischer Guide.

Meine Balireise beinhaltete noch einen Ausflug nach Nusa Penida, ohne den Besuch des berühmtberüchtigten „Dinosauerier-strand“, und einen Aufenthalt in einem Ashram. Dort lernte ich nette, lustige Menschen kennen und widmete mich tiefgreifenden Gesprächen und Gedanken, ohne Handy und Kontakt zur Außenwelt.

Anschließend ging es nach Canguu. Dort spürte ich den westlichen, touristischen Einfluss bereits massiv. Yoga, Bowls, Partys, Surfen und hippe Leute. Man mag es oder nicht. Diese paar Tage waren ein guter Abschluss, um zurück nach München zurückzukehren.

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